
Prozess: Definition, Arten & Bedeutung einfach erklärt
Kaum ein Wort ist so vielseitig wie „Prozess“ – ob im Gerichtssaal, in der Fabrikhalle oder im alltäglichen Gespräch. Duden (Rechtschreibwörterbuch) führt allein drei Hauptbedeutungen auf: ein Gerichtsverfahren, einen Ablauf oder ein Geschehen, und zeigt, wie Sie den Begriff in Wirtschaft, Recht und Alltag richtig einordnen.
Definition (Gabler): Gesamtheit aufeinander einwirkender Vorgänge innerhalb eines Systems ·
Herkunft (laut Wörterbüchern): lat. „procedere“ = voranschreiten ·
Rechtliche Bedeutung: gerichtliches Verfahren auf Entscheidung hin
Kurzüberblick
- „Prozess“ hat im Deutschen mehrere Bedeutungen: Gerichtsverfahren, Ablauf, Geschehen (Duden)
- Im betriebswirtschaftlichen Sinne ist ein Prozess die Gesamtheit aufeinander einwirkender Vorgänge, die zu einem Ergebnis führen (Gabler Wirtschaftslexikon)
- Rechtlich ist „Prozess“ gleichbedeutend mit einem gerichtlichen Verfahren (Duden)
- Der Begriff ist polysem – die genaue Bedeutung hängt stark vom Kontext ab (Duden)
- In der Betriebswirtschaft gibt es keine einheitliche Einteilung der Prozessarten: mal werden drei, mal vier Kategorien genannt (kein Konsens in der Literatur) (Duden)
- Die betriebswirtschaftliche Definition nach Gabler bleibt die Grundlage für Prozessoptimierung in Unternehmen (Gabler Wirtschaftslexikon)
- Der Begriff wird sich mit der Digitalisierung weiter ausdifferenzieren – etwa in IT-Prozesse, Datenprozesse und agile Methoden (Gabler Wirtschaftslexikon)
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Fakten auf einen Blick zusammen.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Etymologie | lat. procedere = voranschreiten (Wikipedia) |
| Erste Nennung (DWDS) | 15. Jahrhundert (Rechtssprache) |
| Wirtschaftsdefinition (Gabler) | Gesamtheit aufeinander einwirkender Vorgänge (Gabler Wirtschaftslexikon) |
| Prozessarten nach ISO | 3 (Kern-, Unterstützungs-, Managementprozesse) – laut Personio (HR-Lexikon) |
Was genau ist ein Prozess?
Was bedeutet Prozess einfach erklärt?
Im Kern steht hinter jedem Prozess eine wiederholbare Abfolge von Schritten, die ein bestimmtes Ziel erreicht – ob im Gericht, in der Fabrik oder im Büro. Diese einfache Definition hilft, den Begriff ohne Fachjargon zu verstehen.
Definition nach Gabler Wirtschaftslexikon
Das Gabler Wirtschaftslexikon (Nachschlagewerk für Betriebswirtschaftslehre) definiert einen Prozess als „die Gesamtheit aufeinander einwirkender Vorgänge innerhalb eines Systems“. Diese Vorgänge sind nicht zufällig, sondern folgen einer logischen Reihenfolge und dienen einem bestimmten Zweck – meist der Erstellung einer Leistung oder der Erreichung eines Ziels.
Im Kern geht es um die Umwandlung von Eingaben (Inputs) in Ergebnisse (Outputs). Ein einfaches Beispiel: Im Bestellprozess eines Online-Shops wird die Eingabe „Bestellung“ durch Tätigkeiten wie Prüfung, Verpackung und Versand in das Ergebnis „Lieferung“ umgewandelt. Diese Sichtweise ist betriebswirtschaftlich fundamental und wird auch von der technischen Definition nach DIN IEC 60050-351 (Norm für Systemtechnik) gestützt.
Ein Prozess ist immer zielgerichtet, wiederholbar und standardisierbar – im Gegensatz zu einmaligen Ereignissen oder Projekten.
Definition nach REFA
Der Verband für Arbeitsgestaltung, Betriebsorganisation und Unternehmensentwicklung (REFA) ergänzt: Ein Prozess ist ein System von Tätigkeiten, das Eingaben mit Hilfe von Mitteln in Ergebnisse umwandelt. Diese Formulierung betont die aktive Umwandlung und die benötigten Ressourcen – Maschinen, Personal oder Software. Beide Definitionen zeigen: Ob in der Produktion, in der Verwaltung oder im Dienstleistungssektor – der Prozessbegriff ist das zentrale Werkzeug, um Abläufe zu verstehen und zu verbessern.
Die Gemeinsamkeit aller Definitionen: Ein Prozess hat einen messbaren Start, einen klaren Ablauf und ein definiertes Ende. In Unternehmen lassen sich so Tausende von Prozessen identifizieren – vom Kaffeekochen im Pausenraum bis zur globalen Lieferkettensteuerung.
Fazit: Der Prozessbegriff ist in der Wirtschaft fest verankert: Er beschreibt wiederholbare, zielgerichtete Tätigkeitsketten. Für Manager ist die Prozessorientierung der Schlüssel zu Effizienz und Qualität.
Welche 3 Prozessarten gibt es?
Kernprozesse
- Definition: Direkt wertschöpfende Prozesse, die für den Kunden sichtbar sind – etwa die Produktion oder der Verkauf.
- Beispiel: Der Auftragsabwicklungsprozess in einem Versandhandel: Bestellung → Kommissionierung → Versand.
- Quelle: Personio (HR-Lexikon) beschreibt Kernprozesse als „wertschöpfende Aktivitäten, die direkt am Kunden enden“
Unterstützungsprozesse
- Definition: Prozesse, die die Kernprozesse ermöglichen, aber nicht selbst kundenwirksam sind – z. B. IT-Support, Personalverwaltung, Buchhaltung.
- Beispiel: Die Bereitstellung einer stabilen IT-Infrastruktur für den Onlineshop.
- Quelle: Qualitätsmanagement.me (Portal für Prozessmanagement) nennt Unterstützungsprozesse als „notwendige Begleitung der Kernprozesse“
Managementprozesse
- Definition: Planungs-, Steuerungs- und Kontrollprozesse, die die Organisation ausrichten – z. B. Strategieplanung, Qualitätsmanagement, Budgetierung.
- Beispiel: Der jährliche Planungsprozess zur Festlegung der Unternehmensziele.
- Quelle: Gabler Wirtschaftslexikon führt Managementprozesse als „prozessuale Grundlage der Unternehmensführung“ auf
Die Drei-Teilung ist in der Qualitätsmanagement-Norm ISO 9001 (internationale Norm für Qualitätsmanagement) verankert und wird von vielen Unternehmen als Grundgerüst genutzt. Das bedeutet: Jede Organisation lässt sich in diese drei Schichten zerlegen – Kernprozesse erzeugen den Wert, Unterstützungsprozesse sichern den Betrieb, Managementprozesse lenken das Ganze.
Welche 4 Prozessarten gibt es?
Führungsprozesse
Im Vier-Modell wird die Managementebene aufgespalten: Führungsprozesse decken die strategische Ausrichtung und die Unternehmenskultur ab. Dazu gehören die Definition der Vision, die Kommunikation von Werten und die Personalführung. Gabler Wirtschaftslexikon (betriebswirtschaftliches Standardwerk) nennt dies die „Führungsfunktion als Prozess der Zielvereinbarung und Kontrolle“.
Geschäftsprozesse
Dies entspricht den Kernprozessen der Drei-Teilung: Sie sind die primären Wertschöpfungsprozesse eines Unternehmens. Wikipedia (enzyklopädisches Nachschlagewerk) definiert Geschäftsprozesse als „logisch verknüpfte Aktivitäten, die einen Beitrag zur Erfüllung der Unternehmensziele leisten“.
Supportprozesse
Analog zu den Unterstützungsprozessen: Sie stellen Ressourcen und Rahmenbedingungen bereit. Personio (HR-Software und Lexikon) beschreibt Supportprozesse als „alle Aktivitäten, die nicht direkt am Kunden wirken, aber seine Zufriedenheit indirekt ermöglichen“.
Mess- und Analyseprozesse
Eine zusätzliche Kategorie, die im Drei-Modell oft fehlt: Sie dienen der Überwachung und Verbesserung der anderen Prozesse. Dazu gehören Kennzahlenanalysen, Audits und Benchmarking. Die Qualitätsmanagement-Plattform (Fachportal für Prozessmanagement) hebt hervor, dass Messprozesse die Grundlage für Prozessoptimierung sind.
Der Unterschied zwischen dem Drei- und Vier-Modell ist weniger inhaltlich als strukturell: Das Vier-Modell trennt Führungs- von Analyseaufgaben, während das Drei-Modell beides unter „Managementprozesse“ zusammenfasst. In der Praxis nutzen viele Unternehmen eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Mischform.
Die Wahl zwischen drei oder vier Prozessarten ist nicht dogmatisch. Entscheidend ist, dass die Einteilung die Realität des Unternehmens widerspiegelt – und dass sie von den Mitarbeitern gelebt wird.
Die Praxis zeigt, dass Unternehmen je nach Branche und Größe unterschiedliche Modelle bevorzugen – die Anpassung an die eigene Organisation ist wichtiger als die reine Anzahl der Kategorien.
Wie definiert man einen Prozess?
Merkmale eines Prozesses
- Wiederholbarkeit: Ein Prozess läuft immer nach dem gleichen Muster ab – im Gegensatz zu einmaligen Aktionen.
- Standardisierung: Abläufe sind dokumentiert und können von verschiedenen Personen ausgeführt werden.
- Zielgerichtetheit: Jeder Prozess dient einem bestimmten Zweck – der Erfüllung eines Kundenwunsches oder der Erreichung eines Unternehmensziels.
- Messbarkeit: Prozesse haben Kennzahlen (Durchlaufzeit, Fehlerquote, Kosten), die eine Steuerung ermöglichen.
Diese Merkmale finden sich in der technischen Definition nach DIN IEC 60050-351 (Normensammlung der Internationalen Elektrotechnischen Kommission) wieder: Ein Prozess ist eine Gesamtheit von aufeinander einwirkenden Vorgängen in einem System.
Prozess vs. Projekt: Abgrenzung
Ein häufiges Missverständnis: Ist ein Projekt auch ein Prozess? Die Antwort ist nein. Ein Projekt ist einmalig, zeitlich befristet und ergebnisoffen – etwa die Einführung einer neuen Software. Ein Prozess dagegen wiederholt sich ständig, ist standardisiert und sein Ergebnis ist vorhersagbar. Personio (HR-Lexikon) grenzt klar ab: „Prozesse sind dauerhafte Abläufe, Projekte sind temporäre Vorhaben“. Die Verwechslung entsteht, weil auch Projekte aus Prozessschritten bestehen können – aber ihr Charakter ist grundlegend verschieden.
Das praktische Problem: Viele Unternehmen behandeln Projekte wie Prozesse und umgekehrt. Die Folge sind überforderte Teams und ineffiziente Strukturen. Wer Prozesse von Projekten unterscheiden kann, vermeidet diese Falle.
Ein typischer Fehler: Ein zeitkritisches Projekt nach den Regeln eines Standardprozesses zu führen – das kann zu Frustration und Terminüberschreitungen führen.
Die Unterscheidung zwischen Prozess und Projekt ist für die richtige Steuerung entscheidend – Projekte brauchen flexible Methoden, Prozesse verlässliche Standards.
Bestätigte Fakten
- Ein Prozess wandelt Eingaben mit Hilfe von Mitteln in Ergebnisse um (REFA – Qualitätsmanagement.me)
- Der Begriff stammt aus dem Lateinischen („procedere“) und wird seit dem 15. Jahrhundert im Deutschen verwendet (Wikipedia)
Was unklar ist
- Welche der vier Prozessarten im Vier-Modell exakt gemeint sind, wird nicht einheitlich definiert – die Abgrenzung zwischen Führungs- und Managementprozessen bleibt unscharf
- In der Alltagssprache verschwimmen die Bedeutungen: „Prozess“ kann einen natürlichen Vorgang („Alterungsprozess“), ein Gerichtsverfahren oder einen technischen Ablauf bezeichnen – ohne dass der Sprecher dies immer klar trennt
- Die Anzahl der Prozessarten variiert je nach Modell (3 oder 4) – es gibt keinen branchenweiten Konsens
„Unter Prozess versteht man die Gesamtheit aufeinander einwirkender Vorgänge innerhalb eines Systems.“
Gabler Wirtschaftslexikon (betriebswirtschaftliches Standardwerk)
„Ein Prozess ist ein System von Tätigkeiten, das Eingaben mit Hilfe von Mitteln in Ergebnisse umwandelt.“
REFA (Verband für Arbeitsgestaltung und Betriebsorganisation)
Beide Zitate zeigen die Übereinstimmung in den grundlegenden Merkmalen: ein Prozess hat eine Input-Output-Logik, folgt einer wiederholbaren Struktur und erzeugt einen messbaren Wert. Der Unterschied liegt im Detail – Gabler betont die Systemperspektive, REFA die aktive Umwandlung durch Mittel.
Die Herausforderung für Unternehmen ist nicht das Verständnis, sondern die Umsetzung: Wer Prozesse nur definiert, aber nicht aktiv managt, verschenkt Potenzial. Das Messen von Prozesskennzahlen und die kontinuierliche Verbesserung sind der entscheidende Schritt von der Theorie zur Praxis. Für Führungskräfte in Deutschland und Österreich hat das eine konkrete Konsequenz: Prozessmanagement muss Chefsache sein, sonst bleibt es ein Sammlung von Dokumenten ohne Wirkung.
de.wikipedia.org, refa.de, duden.de, de.wikipedia.org, personio.de, duden.de, duden.de, en.wikipedia.org
Ein bemerkenswertes Beispiel für einen öffentlichkeitswirksamen Prozess ist der Gisele Pelicot-Prozess, der international für Aufsehen sorgte.
Häufig gestellte Fragen
Heißt es Prozess oder Prozeß?
Seit der Rechtschreibreform 1996/2006 heißt es „Prozess“ mit „ss“. Die alte Schreibweise „Prozeß“ mit „ß“ ist veraltet, wird aber in älteren Texten noch verwendet. Quelle: Duden (Rechtschreibwörterbuch)
Was bedeutet Prozess auf Englisch?
Das englische Äquivalent ist „process“ (gleicher Wortstamm). Im Geschäftskontext spricht man von „business process“, im rechtlichen von „legal proceedings“ oder „trial“. Quelle: Duden
Was ist der Plural von Prozess?
Der korrekte Plural lautet „Prozesse“ (Nominativ Plural). Beispiel: „Die verschiedenen Prozesse eines Unternehmens müssen aufeinander abgestimmt sein.“ Quelle: Duden
Was ist ein Kernprozess?
Ein Kernprozess ist ein zentraler, wertschöpfender Prozess, der direkt zur Erfüllung von Kundenbedürfnissen beiträgt. Beispiele: Auftragsabwicklung, Produktion, Logistik. Quelle: Personio (HR-Lexikon)
Was ist ein Supportprozess?
Ein Supportprozess (auch Unterstützungsprozess) stellt die Ressourcen und Rahmenbedingungen für die Kernprozesse bereit. Beispiele: IT-Support, Personalwesen, Buchhaltung. Quelle: Qualitätsmanagement.me
Ist ein Projekt auch ein Prozess?
Nein. Ein Projekt ist einmalig, zeitlich befristet und ergebnisoffen, während ein Prozess wiederholbar, standardisiert und vorhersagbar ist. Quelle: Personio (HR-Lexikon)
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