Kaum eine Süßspeise wird so leidenschaftlich diskutiert wie Baklava – und kaum eine hat eine so verworrene Geschichte. Wer in Istanbul oder Athen ein Stück bestellt, bekommt fast dasselbe Dessert, aber zwei völlig unterschiedliche Erzählungen dazu serviert.

Kalorien pro 100 g: ca. 430 kcal ·
Fettgehalt: ca. 26 g ·
Zuckergehalt: ca. 30 g ·
Typische Anzahl Schichten: 33 bis 40 ·
Hauptzutaten: Filo-Teig, Nüsse, Sirup

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
3Zeitleisten-Signal
  • 15. Jahrhundert: erste Erwähnung im Osmanischen Reich (Smithsonian Magazine)
  • 19. Jahrhundert: Verbreitung über den Balkan (SBS Food)
  • 2000er: internationale Bekanntheit (Food Network)
4Wie es weitergeht
  • Baklava bleibt weltweit beliebt in Bäckereien (Food Network)
  • Vegane und glutenfreie Varianten gewinnen an Bedeutung (Food Network)
  • Regionale Spezialitäten wie Gaziantep Baklava gewinnen an Anerkennung (Food Network)
Vier zentrale Fakten auf einen Blick – die wichtigsten Kennzahlen zur Baklava.
Merkmal Wert
Erster bekannter Nachweis 15. Jahrhundert, Osmanisches Reich
Beliebteste Nusssorte Pistazien (Türkei), Walnüsse (Griechenland)
Durchschnittlicher Preis pro Stück 2–4 Euro (Bäckerei)
Typische Portionsgröße 40–60 g

Die Tabelle zeigt: Baklava ist erschwinglich, aber die Unterschiede zwischen den Ländern beginnen schon bei der Nusswahl.

Ist Baklava griechisch oder türkisch?

Griechische Baklava vs. türkische Baklava

Wer in Athen Baklava bestellt, bekommt meist ein Stück mit Walnüssen und einer leichteren, weniger süßen Sirup-Variante. In Istanbul dominieren Pistazien und ein dichterer, süßerer Sirup. Der Unterschied liegt nicht nur im Geschmack: Die griechische Version wird traditionell mit Honig gesüßt, die türkische mit einem Zucker-Wasser-Zitronen-Sirup (Smithsonian Magazine). Beide Länder beanspruchen das Dessert als ihr Nationalgericht – aber die historischen Belege weisen in eine andere Richtung.

Das Paradox

Ausgerechnet die Nationalgerichte Griechenlands und der Türkei haben denselben Ursprung – und beide Länder können sich auf dieselbe Quelle berufen: die osmanische Palastküche. Der Streit darüber, wer Baklava “erfunden” hat, ist ein politischer, kein kulinarischer.

Ursprung der Baklava

Die früheste belegte Erwähnung von Baklava stammt aus einem Gedicht des Sufi-Derwischs Kaygusuz Abdal aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts (Smithsonian Magazine). National Geographic berichtet, dass die Entwicklung von Baklava mit der Verschmelzung zentralasiatisch-türkischer Schichtteigtraditionen und arabischer Zuckersirup-Traditionen im Osmanischen Reich erklärt wird. Die heutige Form wird mit den Küchen des Topkapı-Palasts in Istanbul verbunden. Eine häufig zitierte, aber nicht eindeutig belegte Tradition berichtet von der Ramadan-Ausgabe von Baklava an Janitscharen (SBS Food).

Die Implikation: Baklava in seiner heutigen Form ist ein Produkt der osmanischen Hofküche – weder “rein” griechisch noch “rein” türkisch, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger kultureller Vermischung.

Was ist in Baklava drin?

Typische Zutaten für Baklava

Baklava besteht aus dünnen Filoteigblättern, einer Nussmischung (Walnüsse, Pistazien, Mandeln) und einem süßen Sirup aus Zucker, Wasser und optional Zitrone (Smithsonian Magazine). Die Zubereitung ist aufwendig: Jede Schicht wird einzeln mit zerlassener Butter bestrichen, bevor die nächste aufgelegt wird. Insgesamt kommen auf ein Blech Baklava zwischen 33 und 40 Schichten – eine symbolische Zahl, die in der islamischen und christlichen Tradition verankert ist.

Baklava Nüsse und Gewürze

  • Walnüsse: die klassische Wahl in Griechenland und Teilen der Türkei
  • Pistazien: die bevorzugte Nusssorte in Gaziantep und der südöstlichen Türkei
  • Mandeln: eine Alternative, die besonders in arabischen Varianten vorkommt
  • Gewürze: Zimt, Kardamom und Nelken sind üblich (BBC Good Food)

Baklava Sirup

Der Sirup ist das Herzstück jeder Baklava. Die Grundzutaten sind Zucker, Wasser und Zitronensaft – manche Rezepte verwenden Honig statt Zucker oder eine Kombination aus beidem. Der Sirup wird heiß über die noch warme Baklava gegossen, damit er in die Schichten einzieht und das Gebäck saftig macht (BBC Good Food).

Die Pointe: Die Zutatenliste ist kurz und einfach – aber die Kunst liegt in der Proportion und der Reihenfolge der Schritte.

Wie gesund ist Baklava?

Kalorien und Zuckergehalt

Baklava ist kein Diätprodukt. Ein durchschnittliches Stück (ca. 60 g) enthält etwa 250–300 kcal, 15 g Fett und 20 g Zucker (Food Network). Das ist vergleichbar mit einem Stück Sahnetorte oder einer Portion Schokoladenpudding.

Nährwerte pro Portion im Vergleich

Drei Süßspeisen, ein Vergleich: Baklava liegt im Mittelfeld, was Kalorien und Fett angeht.

Dessert (pro 100 g) Kalorien Fett Zucker
Baklava ca. 430 kcal 26 g 30 g
Sahnetorte ca. 350 kcal 22 g 25 g
Schokoladenpudding ca. 120 kcal 4 g 20 g

Der Vergleich zeigt: Baklava hat den höchsten Kaloriengehalt, aber auch den höchsten Anteil an Nüssen.

Baklava im Vergleich zu anderen Süßspeisen

Der entscheidende Unterschied: Baklava enthält Nüsse, die wertvolle ungesättigte Fettsäuren, Eiweiß und Ballaststoffe liefern (BBC Good Food). Das macht es nicht zu einem “gesunden” Dessert, aber zu einem nährstoffreicheren als die meisten Alternativen. In Maßen genossen – ein Stück pro Woche, nicht pro Tag – ist Baklava nicht ungesünder als andere süße Versuchungen.

Der Kompromiss: Baklava ist ein Genussmittel, das man bewusst essen sollte – nicht täglich, aber mit gutem Gewissen.

Wie isst man Baklava richtig?

Baklava servieren und genießen

Baklava wird traditionell in kleinen Stücken serviert – etwa 4×4 cm groß – und bei Raumtemperatur gegessen. Manche genießen es leicht gekühlt, was die Süße etwas mildert. In der Türkei wird Baklava manchmal mit Kaymak (einer Art Sahne) oder Eiscreme serviert (SBS Food).

Passende Getränke zu Baklava

  • Schwarzer Tee (türkisch oder arabisch) – traditionell und ideal, um die Süße auszugleichen
  • Türkischer Kaffee – die Bitterkeit des Kaffees kontrastiert perfekt mit der Süße
  • Minztee – eine erfrischende Alternative, besonders in der Levante verbreitet (BBC Good Food)

Die Regel: Baklava ist ein Dessert für Genießer – und das richtige Getränk macht den Unterschied.

Baklava – das beste Rezept zum selber machen

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Baklava selber zu machen ist ein Projekt – aber kein unmögliches. Die wichtigsten Schritte im Überblick:

  1. Backofen auf 180 °C vorheizen.
  2. Filo-Teigblätter schichten: jede Schicht mit zerlassener Butter bestreichen.
  3. Nach 8–10 Schichten eine Schicht Nussmischung (gehackte Walnüsse, Pistazien, Optional: Mandeln) verteilen.
  4. Weitere 8–10 Schichten Filo-Teig und Butter darauflegen.
  5. Den Vorgang wiederholen, bis etwa 33–40 Schichten erreicht sind.
  6. Die oberste Schicht mit Butter bestreichen und in Rauten- oder Rechteckform schneiden.
  7. Bei 180 °C ca. 30–40 Minuten goldbraun backen.
  8. Nach dem Backen heißen Sirup über die noch warme Baklava gießen (BBC Good Food).
Was zu beachten ist

Der Sirup muss heiß sein, die Baklava noch warm – dann zieht er richtig ein und macht das Gebäck saftig, ohne es matschig werden zu lassen.

Tipps für den perfekten Sirup

  • Verhältnis: 2 Teile Zucker zu 1 Teil Wasser (z.B. 200 g Zucker + 100 ml Wasser).
  • Optional: 1 EL Zitronensaft pro 200 ml Sirup – das verhindert Kristallisation.
  • Optional: 1 TL Rosenwasser oder Orangenblütenwasser für eine aromatische Note.
  • Den Sirup 5 Minuten köcheln lassen, dann abkühlen lassen (BBC Good Food).

Baklava vegan

Vegane Baklava ist einfach zuzubereiten: Ersetzen Sie die Butter durch vegane Margarine oder Kokosöl. Der Sirup bleibt gleich – er enthält keine tierischen Produkte. Achten Sie darauf, dass der Filo-Teig vegan ist (die meisten sind es, aber nicht alle). Der Unterschied: Vegane Baklava wird etwas weniger buttrig und knusprig, aber genauso lecker (BBC Good Food).

Fazit: Baklava ist kein Hexenwerk, aber ein Handwerk. Wer es selbst macht, kontrolliert die Zutaten und die Süße. Für Genießer: das Rezept von BBC Good Food ist ein zuverlässiger Ausgangspunkt. Für Zeitgeizhälse: die Bäckerei um die Ecke liefert oft bessere Ergebnisse als der erste eigene Versuch.

Zeitleiste – Die Geschichte der Baklava

15. Jahrhundert – Erste schriftliche Erwähnung von Baklava in der osmanischen Hofküche, in einem Gedicht von Kaygusuz Abdal (Smithsonian Magazine).

19. Jahrhundert – Baklava verbreitet sich über den Balkan in den gesamten Mittelmeerraum. Die Entwicklung in Gaziantep legt den Grundstein für die heutige Form (SBS Food).

20. Jahrhundert – Baklava wird in Griechenland und der Türkei als Nationalgericht populär. Der Herkunftsstreit zwischen beiden Ländern entsteht (National Geographic).

2000er – Internationale Bekanntheit durch Migration und Tourismus. Baklava wird weltweit in Bäckereien und Restaurants angeboten (Food Network).

Die historische Wahrheit: Baklava hat keine einzelne Erfindernation. Es ist das Produkt jahrhundertelanger kultureller Vermischung – und genau das macht es so besonders.

Bestätigte Fakten vs. Unklares

Bestätigte Fakten

  • Baklava wurde im Osmanischen Reich entwickelt und verfeinert (National Geographic)
  • Baklava besteht aus Filo-Teig, Nüssen und Sirup (Smithsonian Magazine)
  • Die erste Erwähnung stammt aus dem 15. Jahrhundert (Smithsonian Magazine)
  • Baklava hat viele Schichten; 33 ist eine symbolische Zahl

Was unklar ist

  • Ob die Griechen oder Türken Baklava zuerst erfunden haben (keine eindeutigen Belege – Great British Chefs)
  • Die genaue Herkunft des Namens (arabisch, persisch oder türkisch? – Smithsonian Magazine)
  • Ob die 33 Schichten immer genau eingehalten werden

“Baklava ist eine Süßspeise aus Filo-Teig, Nüssen und Sirup, die im Osmanischen Reich entstanden ist.”

– Wikipedia (2019)

“Unser Rezept für Baklava verwendet Zimt und Kardamom sowie Pecannüsse, Pistazien und Walnüsse.”

– BBC Good Food

“7 Fakten über Baklava: Es ist nicht so ungesund, wie viele denken, wenn man die Nüsse bedenkt.”

– Aladdin Houston

Baklava ist mehr als nur ein Dessert – es ist ein Stück Geschichte, verpackt in hauchdünne Teigschichten. Für Bäcker in Deutschland, die das Original suchen: Die Wahl zwischen griechischer und türkischer Baklava ist letztlich eine Geschmacksfrage, keine historische. Der Gewinner ist der, der bewusst genießt.

Häufig gestellte Fragen

Kann man Baklava aufbewahren?

Ja, Baklava hält sich in einem luftdichten Behälter bei Raumtemperatur bis zu zwei Wochen. Im Kühlschrank wird es härter, bleibt aber länger frisch.

Wie lange hält sich Baklava?

Bei richtiger Lagerung (luftdicht, Raumtemperatur) bleibt Baklava etwa 1–2 Wochen frisch. Im Kühlschrank hält es sich bis zu 3 Wochen.

Ist Baklava laktosefrei?

Traditionelle Baklava enthält Butter, ist also nicht laktosefrei. Vegane Varianten mit Margarine oder Kokosöl sind aber laktosefrei erhältlich (Quelle: BBC Good Food).

Welche Nüsse sind am besten für Baklava?

Pistazien und Walnüsse sind die klassischen Optionen. Mandeln sind eine gute Alternative. Die Wahl hängt vom persönlichen Geschmack und der regionalen Tradition ab (Smithsonian Magazine).

Wo kann man Baklava in Deutschland kaufen?

Baklava gibt es in türkischen und griechischen Bäckereien, in gut sortierten Supermärkten (türkische/ländliche Abteilungen) und online bei Spezialanbietern. Der Preis pro Stück liegt zwischen 2 und 4 Euro.

Ist Baklava glutenfrei?

Traditionelle Baklava wird aus Weizen-Filo-Teig hergestellt, ist also nicht glutenfrei. Es gibt aber glutenfreie Varianten mit Reismehl oder anderen glutenfreien Mehlen.

Kann man Baklava einfrieren?

Ja, Baklava lässt sich gut einfrieren. Am besten in einem luftdichten Behälter einfrieren und vor dem Verzehr bei Raumtemperatur auftauen lassen. Im Gefrierschrank hält es sich bis zu 3 Monate.