Jeder kennt den Osterhasen, aber wer hat schon einmal einen echten Feldhasen in freier Wildbahn gesehen? Dabei ist Lepus europaeus, wie die Art wissenschaftlich heißt, in weiten Teilen Europas verbreitet – und gleichzeitig stärker vom Rückgang bedroht, als viele vermuten. Der Feldhase unterscheidet sich in fast jeder Hinsicht von seinem zahmen Verwandten, dem Hauskaninchen. Wer die Unterschiede kennt, entdeckt ihn auf den ersten Blick.

Wissenschaftlicher Name: Lepus europaeus · Größe: 50–70 cm · Gewicht: 3–7 kg · Höchstgeschwindigkeit: bis 70 km/h · Lebenserwartung: 1–2 Jahre · Fortpflanzung: 3–4 Würfe pro Jahr, 1–5 Junge

Kurzüberblick

1Steckbrief
2Lebensraum
3Ernährung
4Verhalten

Die wichtigsten Daten zusammengefasst – von der Systematik bis zum Schutzstatus:

Merkmal Wert
Wissenschaftlicher Name Lepus europaeus
Familie Hasen (Leporidae)
Größe 50–70 cm (Kopf-Rumpf-Länge)
Gewicht 3–7 kg
Ohrenlänge 8–12 cm
Höchstgeschwindigkeit bis 70 km/h
Lebenserwartung 1–2 Jahre
Tragzeit 41–42 Tage
Nachwuchs 3–4 Würfe pro Jahr, 1–5 Junge
Schutzstatus Vorwarnliste der Roten Liste (Deutschland)
Die Paradoxie

Der Feldhase gilt als häufig, steht aber auf der Vorwarnliste der Roten Liste Deutschlands – ein typischer Fall von „häufig, aber gefährdet”. Die Daten des Deutschen Jagdverbands zeigen: Die Bestände sind in den letzten Jahrzehnten dramatisch eingebrochen, obwohl die Art flächendeckend vorkommt.

Was ist der Unterschied zwischen einem Hase und einem Feldhasen?

Die Verwirrung beginnt im Alltag: „Hase” sagen viele zu Kaninchen, und „Feldhase” klingt wie die wilde Version. Tatsächlich handelt es sich um zwei verschiedene Gattungen. Der Feldhase (Lepus europaeus) gehört zur Gattung der Echten Hasen, das Hauskaninchen (Oryctolagus cuniculus) zur Gattung der Altweitlichen Kaninchen. Sieben Merkmale, die den Unterschied ausmachen:

Merkmal Feldhase (Lepus europaeus) Hauskaninchen (Oryctolagus cuniculus)
Größe 50–70 cm 25–45 cm
Gewicht 3–7 kg 1–3 kg
Ohren bis 12 cm, schwarze Spitzen kürzer, ohne schwarze Spitzen
Lebensweise Einzelgänger Kolonie / Gruppe
Bau flache Mulde (Sasse) selbst gegrabene Höhlen
Aktivität dämmerungs- und nachtaktiv tagaktiv
Zutraulichkeit scheu, meidet Menschen oft zutraulich

Die Bildungsexperten von Sofatutor bestätigen: Der Feldhase ist die größte der drei in Deutschland vorkommenden Hasenarten. Das Gewicht eines ausgewachsenen Feldhasen liegt laut Wildtierportal Baden-Württemberg zwischen 2.500 und 6.500 Gramm – mehr als doppelt so viel wie ein typisches Hauskaninchen.

Die Konsequenz: Wer einen scheuen, großen Hasen mit langen, schwarzgespitzten Ohren über ein Feld flitzen sieht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Feldhasen vor sich – kein ausgebüxtes Kaninchen.

Im Vergleich zu anderen Bewohnern der Agrarlandschaft zeigt das ebenfalls stark rückläufige Rebhuhn: Steckbrief, Fasan-Unterschied & Rückgang ähnliche Verlustmuster durch Lebensraumverarmung.

Was ist besonders an Feldhasen?

Wie groß wird ein Feldhase?

Die auffällig langen Ohren, bei Jägern „Löffel” genannt, dienen nicht nur dem Gehör – sie helfen auch bei der Temperaturregulierung. Das Fell wechselt je nach Jahreszeit seine Farbe: Im Sommer ist es braun-gelblich, im Winter grauer, wie der Deutsche Jagdverband beschreibt. Nachtsicht und Tastsinn sind beim Feldhasen hoch entwickelt.

Wie schnell ist ein Feldhase?

Die Fluchtstrategie des Feldhasen ist bemerkenswert: Statt einfach nur geradeaus zu rennen, schlägt er abrupte Haken, um Verfolger zu verwirren. Die kräftigen Hinterläufe geben ihm die nötige Beschleunigung – innerhalb weniger Sekunden erreicht er Spitzentempo.

Der Haken: Diese Geschwindigkeit hat ihren Preis. Der Feldhase verbrennt dabei enorme Energiereserven und kann solche Sprints nicht lange durchhalten. Sein Überleben hängt davon ab, Feinde früh zu erkennen, bevor sie ihn zur Hetzjagd zwingen.

Der Kern

Die Geschwindigkeit allein rettet den Feldhasen nicht – seine eigentliche Überlebensstrategie ist die Kombination aus Tarnung, früher Erkennung und explosivem Kurzsprint. Landschaften mit hohen Deckungsmöglichkeiten entscheiden darüber, ob diese Taktik aufgeht.

Wo schlafen Feldhasen?

Was machen Feldhasen nachts?

  • Dämmerungs- und nachtaktiv – ruhen tagsüber (Deutscher Jagdverband)
  • Schlafen in einer flachen Mulde, der sogenannten Sasse (Deutsche Wildtier Stiftung)
  • Nachts gehen sie auf Nahrungssuche (NABU)

Der Feldhase gräbt keine Bauten – das unterscheidet ihn grundlegend vom Kaninchen. Stattdessen drückt er sich in eine flache Mulde im Boden, die Sasse, und bleibt bewegungslos liegen. Die Tarnung seines Fells macht ihn in der offenen Landschaft nahezu unsichtbar.

Wo lebt der Feldhase?

  • Bevorzugt offene, trockene Landschaften mit guter Rundsicht (Deutscher Jagdverband)
  • Lebensraum: Agrarflächen, Brachland, Wiesen, selten Wälder (Wikipedia)
  • Verbreitung in Deutschland: fast flächendeckend (Deutscher Jagdverband)

Der Europäische Verbreitungsraum reicht laut Deutschen Jagdverband vom Polarkreis bis zum Mittelmeer und von Nordspanien bis zum Ural. In Deutschland ist der Feldhase fast flächendeckend verbreitet, konzentriert sich aber auf Gebiete mit strukturreicher Agrarlandschaft – Feldgehölze, Ackerrandstreifen und Brachflächen sind entscheidend.

Was zu beachten ist

Wer einen jungen Feldhasen allein in der Sasse findet, sollte ihn auf keinen Fall anfassen. Die Deutsche Wildtier Stiftung warnt: Das Muttertier kommt nur wenige Male am Tag zum Säugen. Ein angefassener Junges wird nicht von der Mutter verstoßen, aber der menschliche Geruch kann Feinde anlocken.

Das Muster ist deutlich: Die Sasse ist kein Versteck, sondern eine Tarnungsstrategie – und genau dort liegt die Gefahr durch frühe Mahd, die diese Tarnung zunichtemacht.

Was fressen Feldhasen am liebsten?

  • Hauptnahrung: Gräser, Kräuter, Klee, Löwenzahn (NABU)
  • Im Winter: Rinde, Knospen, Feldfrüchte wie Getreide und Raps (Deutsche Wildtier Stiftung)
  • Bevorzugt eiweißreiche Pflanzen (NABU)
  • Trinken selten – Flüssigkeitsbedarf über Grünfutter (das Tiermagazin tierchenwelt.de)

Der Feldhase ist ein reiner Pflanzenfresser. Im Sommer deckt er seinen Wasserbedarf fast vollständig über die Nahrung – ein Grund, warum er trockene Gebiete gut besiedeln kann. Im Winter, wenn die Pflanzen weniger Wasser enthalten, frisst er auch Schnee.

Das bedeutet für die Landwirtschaft: Felder mit Klee, Raps und Getreide sind für Feldhasen attraktiv, besonders im Winterhalbjahr. Ein Problem entsteht, wenn diese Flächen zu früh gemäht oder geerntet werden – die Jungtiere in den Sassen haben dann keine Deckung mehr.

Sind Feldhasen zutraulich?

Sind Hasen freundlich zu Menschen?

  • Feldhasen sind sehr scheu und meiden Menschen (Deutsche Wildtier Stiftung)
  • Können bei Bedrohung fliehen oder sich mit Bissen und Kratzern wehren (Deutscher Jagdverband)
  • Im Gegensatz zu Hauskaninchen sind sie keine Haustiere (Sofatutor)

Der Feldhase ist kein Kuscheltier. Während Hauskaninchen durch Jahrhunderte der Zucht an den Menschen gewöhnt wurden, ist der Feldhase ein reines Wildtier geblieben. Sein Überlebensinstinkt treibt ihn zur Flucht, sobald ein Mensch sich nähert. Das ist kein Zeichen von Aggression, sondern von Anpassung an eine Umgebung, in der Menschen seit jeher Jäger waren.

Die Deutsche Wildtier Stiftung formuliert es treffend: „Der Feldhase ist kein Haustier – er gehört in die freie Natur.” Wer einen Feldhasen einfangen oder gar als Haustier halten möchte, tut ihm keinen Gefallen.

Fazit: Der Feldhase ist kein alternatives Haustier, sondern ein spezialisierter Überlebenskünstler der offenen Landschaft. Für Landwirte bedeutet das: Rücksicht bei der Mahd schützt die Jungtiere. Für Spaziergänger: Abstand halten und Junge nicht anfassen.

Die Konsequenz für Erholungssuchende: Wer einen Feldhasen entdeckt, sollte sich langsam zurückziehen – jede Flucht kostet das Tier wertvolle Energie, die es für die Nahrungssuche und Fortpflanzung braucht.

Bestätigte Fakten und offene Fragen

Bestätigte Fakten

  • Der Feldhase (Lepus europaeus) ist nicht mit dem Hauskaninchen identisch – sie gehören zu unterschiedlichen Gattungen.
  • Die Körperlänge beträgt 50–70 cm, das Gewicht 3–7 kg.
  • Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei bis zu 70 km/h.
  • Feldhasen leben einzelgängerisch und ruhen in flachen Mulden (Sassen).
  • Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv.
  • Die Art steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste Deutschlands.

Was unklar ist

  • Genaue Populationszahlen schwanken jährlich stark und sind regional sehr unterschiedlich (Deutscher Jagdverband).
  • Der Einfluss von Pestiziden und Jagddruck auf lokale Bestände ist schwer zu quantifizieren (NABU).
  • Wie genau der Klimawandel die Lebensräume des Feldhasen verändert, ist noch nicht abschließend erforscht.

„Der Feldhase ist ein scheuer Zeitgenosse. Er braucht offene Landschaften mit Deckung – und vor allem Ruhe. Wer ihn beobachten möchte, braucht Geduld und einen guten Platz mit Sicht auf Feldränder.”

– Deutsche Wildtier Stiftung

„Der Feldhase gilt als das Vorbild des Osterhasen. Dabei ist er mehr als nur ein Symbol – er ist ein Zeiger für die Gesundheit unserer Agrarlandschaft. Wo Feldhasen leben, stimmt die Strukturvielfalt.”

– NABU Brandenburg

Der Feldhase ist weit mehr als nur der wilde Vetter des Osterhasen. Er ist ein Spezialist für offene Landschaften, ein Hochgeschwindigkeitsläufer mit ausgeklügelter Fluchtstrategie und ein Indikator für die Qualität unserer Agrarflächen. Für Landwirte in Deutschland ist die Botschaft klar: Strukturreiche Felder mit Randstreifen und Brachflächen sind nicht nur gut für den Feldhasen – sie erhalten die Artenvielfalt, von der am Ende auch die Ernte profitiert.

Wer das Phänomen aus nächster Nähe erleben möchte, findet am Feldkirchen Badesee: Eintritt, Parken & Wassertemperatur ein typisches Beispiel für die Kulturlandschaft, die Feldhasen besiedeln – sofern die angrenzenden Felder strukturreich bewirtschaftet werden.

Dass der Feldhase nicht nur in der Natur, sondern auch in der Kunstgeschichte eine bedeutende Rolle spielt, zeigt Dürers berühmter Feldhase aus der Renaissance.

Häufig gestellte Fragen

Wie alt werden Feldhasen?

In freier Wildbahn beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung nur 1–2 Jahre, wie der Deutscher Jagdverband angibt. In Gefangenschaft können sie älter werden, aber Feldhasen sind keine Tiere für die Haltung.

Sind Feldhasen gefährdet?

Der Feldhase steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste Deutschlands. Er ist zwar noch flächendeckend verbreitet, die Bestände sind jedoch in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Hauptursachen sind die Intensivierung der Landwirtschaft und der Verlust strukturreicher Lebensräume, wie der NABU berichtet.

Dürfen Feldhasen gejagt werden?

Ja, der Feldhase ist in Deutschland jagdbar. Die Jagd unterliegt jedoch strengen Regelungen und Schonzeiten. Die Hauptgefahr für den Bestand geht nicht von der Jagd aus, sondern vom Verlust geeigneter Lebensräume, so der Deutscher Jagdverband.

Wie viele Junge bekommt ein Feldhase?

Ein Feldhase bringt pro Wurf 1–5 Junge zur Welt, und zwar 3–4 Mal im Jahr. Die Tragzeit beträgt 41–42 Tage. Die Jungtiere kommen bereits behaart und mit offenen Augen zur Welt – sie sind sogenannte Nestflüchter, wie die Deutsche Wildtier Stiftung erklärt.

Kann man einen Feldhasen als Haustier halten?

Nein. Feldhasen sind Wildtiere und keine Haustiere. Sie sind scheu, brauchen weite Flächen zum Laufen und eine spezielle Ernährung. Die Haltung wäre nicht artgerecht und in Deutschland ohne Genehmigung nicht erlaubt. Wer einen verletzten Feldhasen findet, sollte sich an eine Wildtierauffangstation wenden.

Was ist die Sasse des Feldhasen?

Die Sasse ist eine flache, napfförmige Mulde im Boden, in der der Feldhase ruht und seine Jungen aufzieht. Sie ist nicht gegraben, sondern wird durch das Körpergewicht des Tieres geformt. Die Deutsche Wildtier Stiftung betont: Die Sasse bietet perfekte Tarnung – der Hase bleibt bewegungslos liegen, bis eine Gefahr unmittelbar nah ist.

Wann ist die Paarungszeit des Feldhasen?

Die Paarungszeit, auch Rammelzeit genannt, erstreckt sich von Januar bis August, mit einem Höhepunkt im Frühjahr. Während dieser Zeit kommt es zu den typischen Rangkämpfen zwischen den Rammler – oft als „Hasenbalg” bezeichnet, bei dem sich die Tiere aufrichten und gegenseitig mit den Vorderpfoten schlagen.

Der Kern

Der Feldhase ist ein Symbol dafür, dass „häufig” nicht gleich „sicher” bedeutet. Die Bestandszahlen des Deutschen Jagdverbands zeigen: Ohne strukturreiche Agrarlandschaften mit Brachen und Randstreifen hat der Feldhase auf Dauer keine Chance – und mit ihm viele andere Arten der offenen Feldflur.